28.03.2025 | Erfolgreiche Sanierung des Zugangs zum Fischaufstieg

Kraftwerk Reichenau: Freie Bahn für die Seeforelle

Mehrere Hochwasser in den Jahren 2019/20 hatten durch Erosion im Flussbett des Alpenrheins das Erreichen des im Jahr 2000 erbauten Fischpasses beinahe verunmöglicht. Dank einer optimalen Koordination aller beteiligten Stellen konnte die Wiederinstandstellung der Zugänglichkeit zur Fischaufstiegshilfe in einem beschleunigten Verfahren ausgeführt werden. Und sie ist eine Erfolgsgeschichte: Die Anzahl aufsteigender Seeforellen, welche mittels den jährlichen Reusenfängen erhoben wurden, hat sich versiebenfacht.

Jedes Jahr steigen Seeforellen aus dem Bodensee in den Rhein auf, um in seinen Quellflüssen zu laichen. Doch der Weg dorthin ist nicht immer frei passierbar. Ein Hindernis bestand seit 2019/20 beim Kraftwerk Reichenau. Nach Erosion der Flusssohle durch Hochwasser konnten die Fische bei Restwasserbedingungen die Fischaufstiegshilfe nicht mehr erreichen. Doch nun gibt es gute Nachrichten für die bedrohte Fischart. Eine umfangreiche Sanierung konnte den freien Durchgang wiederherstellen. 

Ein lebenswichtiger Wanderweg für die Seeforelle

Die Seeforelle gehört zu den faszinierendsten Fischarten unserer Gewässer. Geboren in den klaren Oberläufen des Alpenrheins, wandert sie als Jungfisch in den Bodensee, wo sie heranwächst, um Jahre später in ihre Geburtsgewässer zurückzukehren und für Nachwuchs zu sorgen. Doch ihre Wanderung ist oft mit Hindernissen gespickt und sie muss Wehre und Kraftwerke überwinden.

Damit die Seeforellen ihre Laichgebiete erreichen, gibt es spezielle Fischaufstiegshilfen – so auch am Kraftwerk Reichenau. Seit dem Jahr 2000 ermöglicht dort eine Aufstiegshilfe den Fischen, die Anlagen zu überwinden. Doch 2019 und 2020 führten schwere Hochwasserereignisse zu starken Erosionen der Flusssohle kurz vor dem Einstieg der Fischaufstiegshilfe, wodurch die Wanderung bei tiefen Wasserständen unterbrochen wurde.

Die dringende Notwendigkeit der Sanierung

Besonders die Seeforelle ist auf diesen Zugang angewiesen. Sie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, und ihre Bestände haben in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Um die Wanderung der Fische wieder zu ermöglichen, wurde ein Sanierungsprojekt ins Leben gerufen. Grundlage dafür war ein Beschluss der Graubündner Kantonsregierung, der die Kraftwerke Reichenau AG verpflichtete, den Fischaufstieg bei der Gegenschwelle des Stauwehrs Reichenau wiederherzustellen. Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF), das Bundesamt für Umwelt (BAFU), die Kraftwerke Reichenau AG und die Umweltabteilung der Axpo arbeiteten in der Folge eng zusammen, um schnell eine nachhaltige gute Lösung zu finden.

Ein ambitioniertes Bauprojekt

Die Sanierung wurde im Eiltempo vorangetrieben. Innerhalb nur eines Jahres planten und realisierten die Axpo Fachleute eine Lösung in Form einer fischgängigen Blockrampe. Diese Rampe bestehen aus grossen Natursteinen, die so angeordnet sind, dass sie Hochwassern standhalten und auch bei Niedrigwasser den Fischen in extra dafür vorgesehenen Gerinnen einen passierbaren Weg bieten.  Nach einer zügigen Planung und behördlichen Genehmigung konnten die Bauarbeiten Ende Sommer 2022 abgeschlossen werden – pünktlich vor der Hauptwanderzeit der Seeforellen im Herbst.

Erfolg auf ganzer Linie

Seit der Inbetriebnahme wurde die Blockrampe genau überwacht. Technische Messungen überprüften die Strömungsgeschwindigkeiten und Wassertiefen, während automatische Zählstationen und Reusenfänge die Fischwanderung dokumentierten. Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Blockrampe ist stabil und funktioniert einwandfrei. Zudem blieb sie trotz mehreren grossen Hochwasserereignissen seit Inbetriebnahme stabil. Besonders erfreulich: Die Zahl der aufsteigenden Seeforellen, welche mittels den jährlichen Reusenfängen erhoben wurden, hat sich 2024 im Vergleich zu 2020 versiebenfacht – von 40 auf 286 Tiere. Es konnten auch vermehrt kleinere Fische nachgewiesen werden, was ein Beweis dafür ist, dass die Rampe für unterschiedliche Fischgrössen geeignet ist.

Die erfolgreiche Sanierung des Fischaufstiegs am Kraftwerk Reichenau zeigt, dass mit Engagement und Zusammenarbeit grosse ökologische Verbesserungen erzielt werden können. Die Seeforelle hat nun wieder die Möglichkeit, ungehindert zu ihren Laichgebieten zu gelangen – ein bedeutender Erfolg für den Artenschutz und die Biodiversität in unseren Gewässern.

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